Prostoria und Architektur

10.9.2025
Projekte

Selten ist der Modernismus so tief in der urbanen Identität verwurzelt wie in der kroatischen Hauptstadt Zagreb – der Stadt, die den Ursprung von Prostoria geprägt hat. Während er in vielen Kreisen nach der Mitte des 20. Jahrhunderts infrage gestellt und später wiederentdeckt wurde, bildete er hier stets ein ununterbrochenes und zweifelsfreies kulturelles Fundament. Diese Beständigkeit wurde kürzlich auch international bestätigt – die globale Anerkennung des Zagreber und jugoslawischen Modernismus, wie sie die Schau Toward a Concrete Utopia im New Yorker MoMA verdeutlichte, basiert auf realen Erfolgen in Architektur und Design statt auf reiner Nostalgie.

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Wenn wir über den Modernismus sprechen, meinen wir keinen Stil, sondern eine Einstellung – die Werte der Rationalität, Offenheit, Undogmatik und des Forschergeists, die gleichermaßen ästhetisch wie ethisch sind. Genau auf dieser Grundlage entwickelte sich in den 1950er und 1960er Jahren in Zagreb das Konzept, dass Architektur, Design und Kunst eine untrennbare Einheit bilden. Architektur und Design waren damals nicht bloß ein Rahmen für den Alltag, sondern aktive Teilnehmer am gesellschaftlichen Fortschritt.

In diesem Kontext findet die Begegnung zwischen der Zagreber modernistischen Architektur und den zeitgenössischen Möbeln von Prostoria statt. Die monumentalen öffentlichen Gebäude dieser Ära werden zur Bühne, auf der sich zeitgenössische Objekte natürlich einfügen und mit dem Raum in einer gemeinsamen Sprache aus Klarheit, Sparsamkeit im Ausdruck und Selbstbewusstsein kommunizieren. Obwohl sie mehr als ein halbes Jahrhundert voneinander trennt, wirken Architektur und Design hier nicht wie ein Zitat oder ein Rückblick, sondern wie die Fortsetzung einer Forschungsreise.

In einer Zeit, in der sich der Schwerpunkt der räumlichen Transformation zunehmend von monumentalen öffentlichen Gesten hin zu Interieurs und Gegenständen verschiebt, wird gerade der kleine Maßstab zum Raum für Experimente. Die natürliche Zugehörigkeit der Produkte von Prostoria zur modernistischen Architektur weist auf gemeinsame Werteursprünge hin – die Überzeugung, dass Design an der Schnittstelle von Ethik und Ästhetik entsteht und eine breitere gesellschaftliche Bedeutung hat.

Die Produkte von Prostoria sind weder nostalgisch noch regional begrenzt. Die Ambitionen, die Autoren und die Reichweite sind global, doch das Wertefundament bleibt klar verwurzelt. So wie die Architektur des öffentlichen Raums in der Mitte des 20. Jahrhunderts ein offeneres und moderneres Zagreb geformt hat, so fungiert Prostoria heute als Plattform, die es Designern ermöglicht, in der Kontinuität dieser Ideen zu arbeiten – indem sie Möbel schaffen, die auf klaren, dauerhaften und relevanten Werten basieren.

Maroje Mrduljaš, Architekturtheoretiker