Design, Erinnerung und der Wert der Dinge

Stefano Colli ist ein Architekt, Designer, Lehrer, Innenarchitekt und Sammler, der sich sehr engagiert für kreisförmiges Design und materielle Kultur einsetzt. Als Gründer und Kurator der Good Goods — einer virtuellen Galerie, die sich modernem Design und zeitgenössischen Autoren widmet — erkundet er die emotionale und kulturelle Tiefe von Gegenständen über Trends und Marktwerte hinaus.

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In diesem Gespräch denkt Colli darüber nach, warum bestimmte Stücke Bestand haben, wie die Erinnerung die Wahrnehmung formt und warum der wahre Wert von Möbeln nicht im Besitz, sondern in der Verbundenheit liegt.

December 2020 @goodgoodstefano press presentation in Window Gallery Barcelona Acid House © photography Leo Garcia Melendez @leocroma

Photo masaic of @goodgoodstefano exemple products on Instagram© photos by Marcello Colli @ivoooory_

Wie beeinflusst das Erbe der Vergangenheit Ihre Arbeit, und welche Aspekte des traditionellen Designs sind auch heute noch relevant?

Die Vergangenheit ist immer präsent. Erfahrung ist eine Art der unterschwelligen Auswahl — geprägt von Menschen, Orten und Gegenständen, die uns einst bewegten, anregten oder uns etwas beibrachten. Letztendlich sind wir das, was wir durchlebt haben.

Es ist äußerst wichtig, dass man Geschichte versteht und aus der Tradition lernt. Aber wir dürfen davon nicht in die Falle gelockt werden. Ich respektiere zutiefst all jene, die Werke schaffen, die ganz klar die Gegenwart ansprechen und in keinerlei Weise vom historischen Stellenwert eingeschränkt werden. Wir müssen wagemutig bleiben. Wir müssen weiterhin die Freiheit zum Experimentieren haben.

 

Woher kommt die Faszination für Einrichtungsgegenstände aus der Vergangenheit, und wie unterscheiden sich diese Möbel von zeitnahen Neuausgaben?

Manche Gegenstände übermitteln kulturellen Wert. Ihre Tiefe kann große Kraft haben — sogar eine magnetische Anziehungskraft. Sie ziehen einen in ihren Sog. Aber man muss eine gewisse Sensibilität haben, um diese Verbindung wahrzunehmen, denn sie kommt nicht immer augenblicklich zum Vorschein.

Wenn man diese Tiefe nachahmt oder inszeniert, wird die Verbindung oberflächlich. 

In einer Welt, in der man alles kaufen kann, erkennt man manchmal nur schwer, dass kultureller Wert nicht bloß ein weiteres Marketingmerkmal ist. Er ist eine etwas mehrschichtigere, komplexere, tiefreichendere Angelegenheit.

Pasaje Montoya pop up store December 2022
a, b, c … @goodgoodstefano POSTER design © Mucho Branding  @wearemucho

December 2025 @goodgoodstefano collaboration for TUBE CHAIR design for Eugeni Quillet for mobles 114 © photography Meritxell Arjalaguer @meritxellarjalaguer @eugeniquitllet @mobles114

Wann kommt ein Möbelstück mit Bedeutung auf den Gebrauchtmarkt?

Wenn eine Verbindung aktiviert wird.

Es ist schon etwas fast Magisches an der Beziehung zwischen einer Person und einem Gegenstand dran. Das Stück, das wir kaufen oder verkaufen, birgt eine Geschichte in sich — und diese Erzählung wird zum Bestandteil seines Wertes. Sie bleibt mit der Zeit erhalten oder macht sogar eine Wandlung durch.

Was treibt Sie persönlich dazu, ein Stück zu erstehen?

Seine Geschichte. Nicht nur die Designgeschichte oder Urheberschaft, sondern seine individuelle Reise — der Weg, den das Stück eingeschlagen hat, bevor es zu mir kam.

goodgoodspaper #1 Javier Mariscal, #2 Vico Magistretti, #3 Oscar Tusquets, Design © Sergi Vila Bori  @sergivilabori

Was spielt in Ihrer Sammlung eine größere Rolle: kultureller oder emotionaler Wert?

Mich fasziniert die intrinsische Kultur eines Stücks.  Aber Kultur und Emotion lassen sich nie gänzlich voneinander abgrenzen. Sie bestehen nebeneinander.

Welche Stücke verkaufen Sie, und von welchen würden Sie sich niemals trennen?

Ich kaufe gewöhnlich was ich mag — und dann verkaufe ich es, um wieder auf die Suche zu gehen. Ich verkaufe, um immer wieder Emotionen zu entdecken, der Schönheit zu folgen und weiterhin materielle Kultur zu teilen.

Allerdings sind manche Stücke zu bedeutsam, um zurückgelassen zu werden. Die bleiben in meiner Familie. Sie werden ihren Platz im Heim meiner Kinder finden.

Das Erbe gut gemachter Gegenstände ist etwas Bewundernswertes. Es birgt Bildung in sich. Es birgt Kultur in sich.

Gespräch von Cecilia Díaz Betz

Text von Tatjana Bartakovic